Partizipative & sozialverantwortliche Technikentwicklung

Call for Paper (CfP) – Einladung zur Einreichung von Beiträgen zum Workshop: Partizipative & sozialverantwortliche Technikentwicklung im Rahmen der Konferenz Mensch & Computer 2018 · 2.—5. September in Dresden

 

Thema des Workshops

Partizipative Technikentwicklung geht davon aus, dass eine direkte Zusammenarbeit zwischen denen, die Technik entwickeln und denen die sie nutzen, zu technischen Lösungen führt, die den Bedürfnissen der Nutzer_innen entspricht. Das Partizipative Design (PD) der Skandinavischen Schule spricht sich explizit für die Beteiligung marginalisierter Bevölkerungs- und Nutzungsgruppen an Technikentwicklungsprozessen aus. Der Ansatz geht auf das „Cooperative System Design“ der 1970er Jahre zurück, der den vornehmlich gewerkschaftlich vorangetriebenen politischen Anspruch der Arbeitsplatz-Demokratisierung verfolgte und durch den Einbezug von Arbeitnehmer_innen in die Technikentwicklung eingelöst werden sollte.

Was sich jedoch hinter dem Begriff der Partizipation verbirgt und wie diese gehandhabt wird, kann von Projekt zu Projekt sehr verschieden sein. Ehn und Badham kritisierten bereits 2002, dass die Praxis partizipativer Technikentwicklung ihren politischen Anspruch auf Demokratisierung und Empowerment der jeweiligen Nutzungsgruppe und damit letztendlich dem nach sozialer Gerechtigkeit eingebüßt hätte. PD sei zu einer „weichen Technokratie des Nutzer_inneneinbezugs” verkommen, die vorrangig in akademischen Technikentwicklungsbereichen und weniger in Unternehmen oder politischen Handlungsfeldern angewandt wird. Auch aktuelle Untersuchungen partizipativer Technikentwicklungsprojekte stützen diese These.

Darüber hinaus stellt sich die Frage wie sich Partizipation angesichts neuer soziotechnischer Entwicklungen auf Gebieten wie Künstlicher Intelligenz, Maschinellem Lernen, Automatisiertem Fahren, Digitaler Transformation, Internet of Things und den damit verbundenen Veränderungen von Infrastrukturen, Machtverhältnissen und Prekarisierungen ermöglichen lässt.

Inhalt und Ziel

Ausgehend von diesen Herausforderungen, möchten wir uns gemeinsam mit Teilnehmer_innen aus unterschiedlichen technischen Kontexten und Disziplinen mit den Potenzialen und Grenzen des Partizipativen Designs im Hinblick auf eine sozialverantwortliche Technikentwicklung auseinandersetzen. Dabei geht es um die Diskussion der Frage: Inwieweit führt die Beteiligung von Nutzer_innen zu einer sozialverantwortlichen Technikentwicklung? Auf der Grundlage unserer Erfahrungen und denen der Teilnehmer_innen möchten wir einen ungeschönten Blick auf die Prozesse, Herangehensweisen, Beteiligungs- und Einflussverhältnisse partizipativer Technikentwicklungsprojekte werfen und diese anhand von Ansprüchen wie demokratische Teilhabe aller Beteiligten, gleichberechtigter Einbezug marginalisierter Nutzungs- und Bevölkerungsgruppen, wechselseitiger Lernerfahrungen, kritische Reflexionen und kontrovers-konstruktive Aushandlungsprozesse erörtern. Ziel ist, gemeinsam Kriterien zu sammeln und Rahmenbedingungen zu definieren, die erfüllt sein müssen, damit die Beteiligung von Nutzer_innen zu sozialverantwortlicher und inklusiver Technik führt.

Teilnahme

Wir laden Forscher_innen und Praktiker_innen aus unterschiedlichen technischen Anwendungsfeldern ein, Beiträge einzureichen in denen sie von ihren Erfahrungen mit der Beteiligung von Nutzer_innen in technischen Forschungs- und Praxisprojekten berichten.

Interessierte Teilnehmer_innen können einen kurzen Positionsbeitrag in der medialen Form einreichen, in der sie ihr Interesse am Workshop am besten darstellen können (z.B. Pictorial, Video, Animation, Abstract von 1-2 Seiten unter Verwendung des Formats für MuC Beiträge oder anderer Formate).

 

Folgende Fragestellungen sind dabei von Bedeutung:

  • Nach welchen Kriterien wurden Nutzende ausgewählt? Wurden dabei Gender- und Diversity-Aspekte berücksichtigt?
  • Wie sah die Beteiligungsstruktur und Interessenverhältnisse des Projektes aus?
  • Wie sah der Forschungs- und Entwicklungsprozess aus? Wer war an welchen Wissens- und Entscheidungsprozessen beteiligt? Wieviel Einfluss bzw. Entscheidungsmacht hatten die Nutzer_innen?
  • Welche Methoden kamen zum Einsatz? Wie haben sie die Beteiligungs- und Einflussverhältnisse beeinflusst, ermöglicht oder auch unterbunden?
  • Wie werden Prozess und Projekt hinsichtlich der Ansprüche des Partizipativen Designs und letztendlich hinsichtlich ihres Beitrags zu sozialverantwortlicher Technik bewertet?

Die Beiträge bilden die Grundlage für Kurzpräsentationen der Teilnehmer_innen während des Workshops. Details werden diesbezüglich noch mitgeteilt.

Wenn Sie an einer Teilnahme interessiert sind, ohne ein eigenes Projekt vorstellen zu wollen, können sie sich ebenfalls über das Conftool anmelden.

Zeitplan

Bis 8. Juni 2018 Einreichung der Kurzbeiträge
Bitte erstellen Sie einen kurzen Positionsbeitrag im Format Ihrer Wahl (z.B. Pictorial, Video, Animation, Abstract von 1-2 Seiten) unter Verwendung des Formats für MuC Beiträge oder anderer Formate. Reichen Sie die Beiträge über das ConfTool bis zum oben genannten Zeitpunkt ein. Beiträge, deren Formate sich nicht über das Konferenztool einreichen lassen, könne alternativ den Veranstalter_innen des Workshops über E-Mail (siehe unten) zugesandt werden.

Bis 15. Juni Benachrichtigung über Annahme sowie Feedback zu den Beiträgen
Die Begutachtung, Auswahl der Beiträge und Rückmeldung an die Teilnehmer_innen erfolgt durch die Workshop-Veranstalter_innen.

Bis 11. Juli 2018: Einreichung der überarbeiteten, finalen Beiträge über das Conftool
Nach Einreichung der finalen Beiträge über das Conftool wird ein detailliertes Programm für den Workshop erstellt und bekanntgegeben, zu dem die Autor_innen gebeten werden, Präsentationen vorzubereiten.

2. September 2018: Ganztägiger Workshop

Veranstalter_innen

Claude Draude
Wissenschaftliches Zentrum für Informationstechnik-Gestaltung (ITeG),
Fakultät Elektrotechnik/Informatik, Universität Kassel
claude – pünkt – draude – ätt – uni-kassel.de

Arne Berger
Interaction Design Research Lab „Miteinander“
Professur Medieninformatik. Technische Universität Chemnitz
arne – pünkt – berger – ätt – informatik.tu-chemnitz.de

Sandra Buchmüller
Gender, Technik und Mobilität, Technische Universität Braunschweig
s – pünkt – buchmueller – ätt – tu-bs.de

Tl;dr:

Wer am Workshop Partizipative & sozialverantwortliche Technikentwicklung auf der Mensch und Computer 2018 teilnehmen möchte, reiche ein kurzes Positionspapier via ConfTool bis spätestens 8. Juni 2018 ein und wähle dafür die Form, in der das Interesse am Workshop am besten ausgedrückt werden kann (z.B. Pictorial, Video, Animation, Extended Abstract unter Verwendung des Formats für MuC Beiträge).